Dialoge
mit der Natur Reimund O. Boderke Seit seiner Kindheit ist Reimund O.
Boderke in Zwiesprache mit der Natur. Was ihn dazu angetrieben hat? Es
erscheint ihm selbst rätselhaft. Waren es die Kriegswirren, die ihn über zwei
Evakuierungen und mehrere Ortswechsel mit der Großfamilie immer wieder nach
einem ruhenden Pol suchen ließ? War es das familiäre Dilemma des von den Nazis
geknebelten Vaters? Vielleicht doch Natur als Rückzugsort? Schon als Kind malte
er aus dem Kopf pausenlos Naturstücke. Der Wald war seine Heimat. Sein Vater,
der meist im Krieg und selten bei der Familie war, gab ihm seine kreativen
Veranlagungen weiter. Er war Lehrer für die musischen Fächer. Doch Zeit für
gemeinsames Naturerleben gab es nicht. Er starb, als der Junge 17 war. Doch
sein Vermächtnis lebte weiter. Es musste ein kreativer Beruf sein. So studierte
Reimund O. Boderke Kommunikation und verbrachte dreißig aufregende Jahre in
Werbeagenturen mit kreativen Aufgaben.
Es war kurz nach dem Mauerfall, als
ein Schlüsselerlebnis mit der Natur ihn von der Hektik seines Berufslebens
zurück brachte zu seiner eigentlichen Bestimmung – wie er es empfand – zur
Kunst: Auf einer langen Wüstenreise erlebte er in einer lebendigen
Kalahari-Nacht unter dem Sternenhimmel, welche ungeheure, energetische Kraft
die Natur auf den Menschen ausüben kann. Dieses Erlebnis weckte in ihm sein
künstlerisches Bewusstsein. Schon kurz zuvor hatte er mit der Malerei begonnen
und Leinwände und Bindemittel mit auf Reisen genommen. In der Wüste stürzte er
sich in die Malerei mit Sand, Erde und Naturmaterialien. Bei seiner ersten
Ausstellung nach der Reise entdeckte die FAZ die Wüstenwerke und bildete eines
im Feuilleton ab.
Seither ist sein künstlerisches
Schaffen dem Dialog mit der Natur gewidmet. Zurück von der Reise studierte er
mehrere Jahre Malerei bei Matthias Gessinger in Wiesbaden und Kunstgeschichte
an der Goethe-Universität, Frankfurt. Mit diesem Rüstzeug ging er auf seine
lange, experimentelle Reise, Kunst nicht als Abbild der Natur zu begreifen,
sondern – nach Kandinsky – das Geistige in der Natur herauszufiltern. In seinem
Atelier hat er über hundert Sand- und Erdproben aus aller Welt gesammelt, mit
denen er seit 1993 fast ausschließlich seine Materialbilder
komponiert und
collagiert hat. Seine konsequente Materialanwendung mit Naturmaterialien ist
ungewöhnlich in der Malerei.
Nach zehn Jahren Malerei-Studium
löste sich ROB (sein Signatur-Kürzel) von seinem Meister Matthias Gessinger
2006. Fortan ging er seine eigenen Wege. Ergebnis war auch die späte Hinwendung
zur Farbe (ROB hatte sich nach seiner Werbezeit bewusst davon entfernt!). Seine
neuesten Werke zeigen mehr leichte Farbigkeit, bisweilen auch
expressionistische. Sand und Erde werden jetzt sparsamer eingesetzt. Die Collage-Technik
blieb erhalten. Doch wesentlich für seine Arbeit bleibt die experimentell
erzielte Textur seiner Werke. Nach Jahren der Suche der eigenen
Darstellungsformen ist er zwar seiner Thematik über Natur-Dialoge treu
geblieben, aber auch im neuen OEuvre-Abschnitt zu seiner künstlerischen Mitte
gekommen. Kontakten Sie ROB unter:
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